Columbarium St. Donatus

Zur Geschichte des Columbariums St. Donatus in der katholischen Pfarrgemeinde St. Donatus

45 Jahre lang war die Erlöserkirche eine feste Institution innerhalb der katholischen Pfarrgemeinde St. Donatus in Aachen-Brand. 2015 wurde das Gotteshaus dann zum Columbarium umgebaut und hat damit nun seit der Einweihung durch Weihbischof Dr. Johannes Bündgens im Juni 2016 eine neue Bestimmung als christliche Begräbnisstätte für Urnenbeisetzungen. 

Im 19. Jahrhundert ist St. Donatus im Zuge der Säkularisation als eigenständige katholische Pfarrgemeinde aus der Abtei Kornelimünster hervorgegangen und hat in der Pfarrkirche St. Donatus am Brander Marktplatz sein liturgisches Zentrum gefunden.

Insbesondere im Laufe der 1950er Jahre entstanden in Aachen-Brand neue Wohnbezirke und immer mehr Gemeindemitglieder zogen hinzu. Die Pfarrkirche war zu den Gottesdienstzeiten meist überfüllt. So gab es zwischen dem damaligen Pfarrer und Dechant Anton Offergeld und dem Kirchenvorstand bald Überlegungen zu einer Teilung der Gemeinde und dem Bau einer weiteren Gemeindekirche. 

Nach Verhandlungen mit der Brander Gemeindeverwaltung konnte schließlich im Jahr 1957 das bis dahin als Sportplatz genutzte Gelände im Bereich Nordstraße/Richard-Wagner-Straße/Hermann-Löns-Straße als Standort für ein zweites Pfarrgemeindezentrum erworben werden.

Der Diplom-Ingenieur Josef Viethen aus Erkelenz, der zuvor schon mehrere moderne Kirchenbauten in Aachen entworfen hatte, bekam den Auftrag für die Planung. Viethen sah eine Saalkirche mit 450 Plätzen vor, die sich über einem rechteckigen Grundriss mit den Maßen 28 x 40,5 m erhebt. Der Altarraum wurde an der südwestlichen Längswand angelegt. Gegenüber an der nordöstlichen Längswand befanden und befinden sich auch heute nach dem Umbau die drei Kircheneingänge. Im Eingangsbereich führt eine Wendeltreppe zur ursprünglichen Orgelempore, wo heute die Cäcilien-Kapelle des Columbariums ihren Platz gefunden hat. 

Allerdings sollte es noch bis 1968 dauern, bis die Bistumsverwaltung die Erlaubnis zum Baubeginn erteilte.

Am 1. Juni 1969 konnte Dechant Offergeld schließlich die feierliche Grundsteinlegung vornehmen. Der Grundstein aus Muschelkalk wurde rechts vom mittleren Kirchenportal in die Außenwand eingesetzt, wo er auch heute noch zu sehen ist. Er hat die Form eines gleichseitigen Kreuzes und weist so auf die von Christus am Kreuz vollzogene Erlösung hin. Außer dem Datum der Grundsteinlegung erscheint auf dem Stein das Pauluswort (1Kor 3,11): 

 

  

 

Zur Namensfindung für die neue Gemeindekirche wurden zahlreiche Vorschläge der Pfarrangehörigen mit einbezogen. Dechant Offergeld sprach sich schließlich für den Namen „Erlöserkirche“ aus. 

Fast genau ein Jahr nach Beginn der Arbeiten konnte die Erlöserkirche schließlich im November 1969 vom damaligen Aachener Bischof Dr. Johannes Pohlschneider geweiht werden. Nach der Weihe von Gotteshaus und Altar feierte der Bischof die erste heilige Messe in der Erlöserkirche. 

Nach altem Brauch werden im Altar einer katholischen Kirche die Reliquien von Märtyrern beigesetzt. Auf diese Weise wird daran erinnert, dass schon in urchristlicher Zeit das Opfer Christi über den Gräbern der Märtyrer gefeiert wurde. Für die Erlöserkirche erbat man deshalb aus Rom eine Partikel vom Holz des Heiligen Kreuzes, um ihrem Namen Ehre zu erweisen. Die Partikel wurde weiteren Reliquien von Märtyrerinnen und Märtyrern aus der Gefolgschaft der Heiligen Ursula und Gereon in den Altar beigegeben. 

Der Altar in der heutigen Gottesdienstkapelle des Columbariums wurde aus dem hellen spanischen Granit des früheren Altars der Erlöserkirche neu gestaltet. Die Reliquien sind wieder im Altar eingesetzt.

Zu der ursprünglich angedachten Teilung der Pfarrgemeinde in Brand kam es nach Fertigstellung der Erlöserkirche schließlich doch nicht. In der Zwischenzeit wurden die Kommunalbereiche in Aachen durch die öffentliche Hand umstrukturiert, infolgedessen kleinere Stadtbezirke zu größeren zusammengefasst wurden. Dies wirkte sich letztlich auch auf entsprechende kirchliche Planungen aus. So rückte man davon ab, einen selbständigen Seelsorgebezirk Erlöserkirche in Brand zu schaffen. St. Donatus blieb eine große Pfarrgemeinde mit nun zwei Gemeindekirchen, für die die hauptamtlichen Seelsorger in der Gemeinde gemeinsam zuständig und verantwortlich waren. 

Die neu entstandene Erlöserkirche wurde in ihrer modernen Architektur nach und nach von den Brander Pfarrangehörigen als ein in ihrer Grundstruktur und Raumgestaltung sehr geeigneter liturgischer Raum angenommen. 

War es in den fünfziger Jahren die große Anzahl der Gottesdienstbesucher in der Pfarrkirche St. Donatus, die zu den Überlegungen geführt hatte, mit der Erlöserkirche ein zweites Gotteshaus für die Pfarrgemeinde zu errichten, so hat sich dies heute gewandelt. Die Zahl der Gottesdienstbesucher nimmt seit Jahren ab und die Kirchen sind heute kaum mehr überfüllt. Die zuständigen Pfarrgemeinden suchen nach Ideen, wie sie manches Gotteshaus sinnvoll anderweitig nutzen können. 

Zweidrittel des öffentlich zugänglichen Kirchenraums wie Pfarrzentren, Büchereien, Kapellen und Kirchen werden vom Bistum bezuschusst, für den Rest muss die Gemeinde selbst aufkommen. Es zeichnete sich ab, dass die Kosten für das Personal und den Erhalt der Gebäude für die Pfarrgemeinde St. Donatus in Zukunft eine zu große Belastung werden würden. Die Pfarrkirche St. Donatus kam für eine Schließung nicht in Frage. So war bald klar, dass die Erlöserkirche einer neuen würdevollen Bestimmung als Columbarium für Urnenbeisetzungen zugeführt werden sollte. Die Architekten Elmar Paul Sommer und Axel Birk wurden mit dem Umbau beauftragt.

Das Columbarium finanziert sich in allem selbst durch den Verkauf der Gräber. Kirchensteuergelder sind weder für den Umbau zur Verfügung gestellt worden, noch gibt es irgendwelche Zuschüsse aus kirchlichen oder öffentlichen Mitteln.

Nach der Aachener Grabeskirche St. Josef, die 2006 als erste christliche Urnengrabkirche in Deutschland begonnen hatte, ist das Columbarium St. Donatus nun die zweite christliche Urnengrabkirche in Aachen. Für viele ältere Menschen ist heute der Gedanke, in einem Kirchengebäude die letzte Ruhe zu finden und die Hinterbliebenen nicht mit der Grabpflege zu belasten, eine große Beruhigung. 

So ist die Erlöserkirche nach ihrem Umbau zum Columbarium zu einem würdevollen Ort der Trauer und der christlichen Hoffnung auf Auferstehung geworden. 

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